Bild: Concrete mixer full of dollars with falling banknotes isolated on white background, Zelfit, shutterstock 86086330

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat den neuen Monitor für Individuelle Gesundheitleistungen (IGeL) veröffentlicht, dabei wird vor allem der fehlende oder mangelnde wissenschaftliche Nutzen und das Risiko vieler Behandlungen bemängelt. Es gibt aber auch andere Seite, welche sich sehr gut am Beispiel einer Kinderbehandlung bei einer tiefen Milchzahnkaries demonstrieren läßt. Sie ensteht am häufigsten am vorletzten Milchzahn und ist meist bedingt durch einen Engstand plus einer nur dünnen natürlichen Schmelzschicht. Sie stellt immer eine der schwierigsten Behandlungen am Kind dar. Nicht selten sind schon Schmerzen vorhanden, wenn der kleine Patient uns aufsucht. Vor vielen Jahren war ein formaldehydhaltiges Präparat das Mittel der Wahl. Es war zuverlässig, aber durch das Formaldehyd problematisch, weil dieser Stoff bei chronischer Exposition als krebserregend eingestuft wird. Vor über 10 Jahren kam ein Präparat auf den deutschen Markt mit dem gängigen Namen “MTA” (Mineral Trioxide Aggregate), welches vereinfacht dargestellt, ein modifizierter Portlandzement ist. Laut vieler Studien kam unsere Fachwelt zum Schluß, dieses Material ist gleichwertig mit Tendenz sogar besser zu dem bisherigen Mitteln. Wie so häufig hat die Sache natürlich einen Haken und das sind die Kosten. Der Grammpreis liegt in Deutschland im Schnitt zwischen 30 und 70 € im Einkauf. Im Baumarkt kostet das Gramm ungereinigter Portlandzement übrigens ca. 0,00011 €.
Kostendeckend kann somit eine Behandlung mit MTA laut Kassenrichtlinien nicht durchgeführt werden und durch ein Zuzahlungsverbot seit 2005, kann diese Leistung vom Patienten nur in Anspruch genommen werden, wenn sie als komplette Privatleistung erbracht wird, d.h. es entspricht per definitionem einer Individuellen Gesundheitsleistung (IGeL). Man kann darüber streiten, ob die Alternative, nämlich den Milchzahn zu entfernen, nicht die wirtschaftlichere Lösung ist. Aus medizinischer Sicht ist ein Erhalt des Zahnes in den allermeisten Fällen die bessere Wahl.

N. Krämer, MTA in der Milchzahnendodontie, Bayerisches Zahnärzteblatt, Juni 2010, S. 61
Clinical and Radiographic Evaluation of the Effectiveness of Formocresol, Mineral Trioxide Aggregate, Portland Cement, and Enamel Matrix Derivative in Primary Teeth Pulpotomies: A Two Year Follow-Up. J Clin Pediatr Dent. 2016 Winter;40(1):14-20. Yildirim C. et al.
Pulp treatment for extensive decay in primary teeth. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Aug 6;(8). Smaïl-Faugeron V. et al.

 

 

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